Lebensmodelle prägen das Sparverhalten

Großenlüder, 11.02.2015

Jüngere Menschen mit einem bestimmten Lebensstil sind offener für Aktien und Beratung. Im anhaltenden Umfeld niedriger Renditen ist dies eine Chance, sie für eine höher rentierliche Anlageform zu gewinnen. Ein Weg aus dem Zinsdilemma.

Mario Wehner, Privatkundenbetreuer der Raiffeisenbank eG Großenlüder

Die Deutschen sind fleißige Sparer. Doch warum bilden sie trotz hoher Einkommen und Sparquoten nur wenig Vermögen, verglichen mit anderen Volkswirtschaften wie etwa den USA oder Frankreich? Diesen Sachverhalt nahm Union Investment zum Anlass für eine groß angelegte Studie zum Sparverhalten der Mittelschicht in Deutschland. Das von der genossenschaftlichen Fondsgesellschaft beauftragte Handelsblatt Research Institute hat im November 2014 unter der Leitung von Professor Dr. Bernd Rürup interessante Ergebnisse ermittelt. So hat die Studie ergeben, dass die Höhe des Einkommens oder das Bildungsniveau deutlich weniger Einfluss auf das Sparverhalten hat als bisher angenommen. Hingegen spielt das sozioökonomische Milieu eine große Rolle, denn es prägt die Lebensmodelle beziehungsweise Lebensstile. Diese bestimmen Sparmotive, -verhalten und -formen in besonderem Maße. Einen maßgeblichen Einfluss hat auch das Lebensalter auf das Sparverhalten.

Klassische Geldanlagen können Sparziele immer weniger erfüllen

Der breite Trend ist: Die Deutschen sparen zu einseitig. Sie stecken einen Großteil ihres Geldes in zinslastige Produkte, die zurzeit kaum Rendite abwerfen. Mit chancenreicheren Anlagen wie Aktien tun sie sich schwer. „Ein Volk von Aktionären werden wir aus den Deutschen nicht machen. Aber wir können über intelligente Produkte Brücken zu mehr Ertrag bauen“, erklärt Mario Wehner, Wertpapierspezialist bei der Raiffeisenbank eG Großenlüder. Die Studie belegt dabei, dass sich gerade die jüngeren Gruppen der Mittelschicht für Alternativen offener zeigen als traditionelle Milieus. „So sind die niedrigen Zinsen eine Chance, gerade diese Menschen für Anlageformen mit mehr Ertrag zu gewinnen“, ergänzt Wehner.

Mario Wehner hebt hervor, dass die Menschen unterschiedliche Bedürfnisse und Ziele beim Sparen haben. Auch das zeige die Studie. „Doch mit den klassischen Sparformen lassen sich diese individuellen Anforderungen immer schwerer erfüllen. Die Erwartungen der Anleger verändern sich – und die Lösungen müssen genau auf die persönlichen Bedürfnisse abgestimmt sein“, betont er. In diesem Umfeld sei Beratung wichtiger denn je. Denn heute sparten viele Anleger aufgrund des niedrigen Zinsniveaus sehr kurzfristig – auf Sicht sozusagen. Langfristige Ziele gerieten dabei in den Hintergrund. „Anleger sollten sich über ihre Ziele klar werden und dann – am besten mit einem Berater – eine Lösung finden, die dazu passt“, sagt Wehner.

Chancen von Fondssparplänen nutzen

Mit Sparplänen in Investmentfonds beispielsweise seien auch in Zeiten niedriger Zinsen langfristig auskömmliche Erträge möglich. „Sie können Anlegern dabei helfen, den Weg aus dem Zinsdilemma zu finden“, sagt Wehner, „besonders dann, wenn sie in aktienstarke Fonds sparen.“ Sie böten darüber hinaus eine breite Risikostreuung, da die Investition in eine Vielzahl von Einzelwerten erfolge. Und auch wenn ein Fondssparplan langfristig angelegt sein solle, bleibe man dennoch flexibel, denn die Sparraten könnten geändert oder auch einmal ausgesetzt werden. „Wir legen bei den Volksbanken Raiffeisenbanken großen Wert auf eine bedarfsorientierte Beratung – denn natürlich muss eine solche Geldanlage immer auch zu den kurz- und langfristigen Lebenszielen und zum jeweiligen Lebensstil passen“, betont Wehner.